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Lesungen

Anonym: Die rote Köchin

Samstag, 16:00 Datscha - gelesen von Sonja Vogel

Hannah ist die Rote Köchin, Mitglied einer spartakistischen Zelle am Bauhaus Weimar. Sie betrieb in den 1920er Jahren – unweit des Bauhauses ein Restaurant – mit dem Kochlöffel wollte sie die Werktätigen für die Revolution gewinnen. Nach Seminar und Küchendienst mischten die Zellenmitglieder Sprengstoff, jagten Faschisten. Hannahs Geschichten zeigen, wie intensiv der Kampf um ein besseres Leben war, wie skurril und tragisch. Was ist aus Hannah geworden? Unklar. Geblieben sind nur ihre Aufzeichnungen und ihre Rezepte.

Dirk Bernemann: liest sich selbst

Lesung, Sa. 17:30, Datscha

Dirk Bernemann wurde an einem kalten Dezembernachmittag 1975 als Tochter eines Kriegsveteranen und einer Kosmonautin im westlichen Münsterland geboren. Das Leben war ab da der absolute Ernstfall. Zwischendurch passierte eine Menge und 2005 erschien sein erstes Buch „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“. Wenn der Kunstbetrieb eine Firma ist, will Dirk Bernemann nicht ihr Angestellter sein. Es folgten weitere Bücher und ein paar Gewissheiten. Das Leben blieb weiter ernst.

Ein bunte Stunde Erbauungsliteratur für die ganze Familie.

Blog: www.dirkbernemann.blogspot.de

Klaus Bittermann

Donnerstag, 19:30, Kino

Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol  

Klaus Bittermann hat ein Faible für Randfiguren. Sehr trocken und mit Witz beschreibt er kleine Alltagsszenarien aus seinem Viertel, in dem Touristen, Vandalen, Zopfträger, Alteingesessene, Eigenbrötler, Backfische, Rucksack- und Fahrradhelmträger wild durcheinanderlaufen, und das auch noch völlig ohne Plan. Und auch die rumänischen Straßenmusiker, die ihre Instrumente und anderer Leute Ohren quälen, lassen sich nicht verjagen, nicht die blonde Powerfrau, die ins Handy brüllend allen Leuten mitteilt: „Menne, ick bin hier beim Thai, wa!“, nicht der Obdachlose, der Mercedes Benz für eine Baumpatenschaft gewinnen will, nicht der Mann mit dem manischen Blick, der jeden einen „verfickten Arsch“ nennt, nicht der mit Testosteron angereicherte türkische Jugendliche, der seine Freundin verpulvert, nicht der Mürrische, der mit Stecken, Plastiktüte und Mundschutz am Straßenrand entlang läuft, und auch nicht der Dichter mit dem knallroten Jackett, der für 50 Cent Gedichte verkauft, die sich nicht reimen.

Blog: www.bittermann.edition-tiamat.de

Daniela Chmelik: Walizka

Freitag, 17:30, Datscha

Liza kommt mit dem Leben nicht klar und Kostja, ihr Freund, taucht nicht mehr auf. Dann ist da noch die schwanenschöne Swantje, in die sie sich gleich verliebt. Zusammen mit Pia, deren Freund in Mostar lebt, brechen sie auf gen Osten, fahren nach Ljubljana, Belgrad, Odessa und weiter. Sie reisen von Stadt zu Stadt, manche noch vom Krieg gezeichnet, immer das Meer oder wenigstens einen breiten Fluss in der Nähe. Ein Roadmovie, rasant, selbstzerstörerisch und kristallklar.

Video: www.vimeo.com/51756212

Jan Off: Happy Endstadium

Sonntag, 17:30, Datscha

Fünf junge Weltverbesserer – von den ständigen Reibereien mit der Staatsmacht ebenso zermürbt wie vom zwischenzeitlichen Stress mit dem Gangsternachwuchs aus der Nachbarschaft – machen sich auf den Weg, den ewigen Unsicherheitsfaktor namens Mensch ein für alle Mal auszuschalten. Da die autonome Rasselbande ihrerseits aber auch nur aus Fleisch und Blut besteht, kommt den Plänen des Quintetts schon bald allzu Menschliches in die Quere: Intrigen, Liebeshändel, rauschbedingte Torheiten. Jan Off ist ansonsten geboren im Jahre des Herrn 1967 in Nowosibirsk, zudem Mitglied im Vereinsvorstand von Traktor Tscheljabinsk sowie Bachmannpreisträger der Herzen und zurzeit in Hamburg ansässig.

Website: www.jan-off.org

Frank Schäfer: Metal Störies

Freitag, 19:30, Kino

Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte

Heavy Metal gilt vielen, gerade den vermeintlichen Pop-Kennern, als nicht satisfaktionsfähig. Zu brachial der Sound, zu simpel die Texte, zu albern die Inszenierung der meist langhaarigen Musiker – so lautet oft das Urteil. Wie ignorant dies ist, zeigt das Buch „Metal Störies – Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte” von Frank Schäfer. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festival-Erfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht.

Artikel von Frank Schäfer: www.zeit.de/autoren/S/Frank_Schaefer 

Wenzel Storch: Das ist die Liebe der Prälaten

Samstag, 19:30, Kino

Das ist die Liebe der Prälaten entführt den Leser in die wunderbare Welt der katholischen  Aufklärungs- und Anstandsliteratur. Erfahren Sie alles über Fibeln wie „Peter legt die Latte höher“  und Heftchen wie „Unser Guckloch“, und erfreuen Sie sich an seltenen Messdiener-Pin-ups! Der reich bebilderte Band befasst sich jedoch nicht allein mit den Abgründen christlicher Sexualmystik: Wenzel Storch erzählt die aufregende Geschichte des „Beat-Club“, erinnert an die Blütezeit des psychoaktiven Comics und begutachtet die historisch-kritische „Petzi“-Ausgabe. Daneben finden sich amüsante wie sachkundige Essays über Gerhard Richter, Hannes Wader und Robert Crumb. Außerdem geht‘s um verhexte Tiere und fliegende Mohrrüben, um Unterwassersoul und den TV-Regisseur Kai von Kotze, um Ulrike Meinhof, Nick Knatterton u.v.a.

Website: www.wenzelstorch.de